Stele 8 in Planung

Station 8   Die Seifenpulverfabrik an der Erkrather Straße 230

Henkel 1880, Gerresheimer Straße in Flingern

Packerei Persil 1969


Die weiße Dame und der weiße Schwan


1877 kehrte der schwäbische Chemiker Ernst Sieglin aus London nach Aachen zurück. Er hatte von seinem Kollegen Dr. Richard Thompson das Nutzungsrecht für ein Verfahren erworben, bei dem Kernseife zu Trockenpulver verarbeitet wurde. Er experimentierte weiter und versuchte als Straßenhändler mit einem Karren seine pulverisierte Seife zu verkaufen. 1880 erhielt Sieglin das alleinige Verkaufsrecht für Deutschland, die Niederlande und Belgien. Fünf Jahre später baute Sieglin in Aachen eine Fabrik mit 15 Kesseln und einem Sidehaus. In Belgien entstand ein weiteres Werk.

Hauptsitz der Firma wurde aber 1897 die Seifenfabrik an der Erkrather Straße in Düsseldorf. Ernst Sieglin bewarb und verkaufte sein mit vielen Auszeichnungen versehenes Produkt als „Dr. Thompson’s Seifenpulver Marke Schwan“. Emaille-Schilder warben Anfang des 20. Jahrhunderts kurz und knapp mit der Aufforderung: „Waschet mit Dr. Thompson’s...“ Andere Blechtafeln mit dem weißen Schwan zeigten Wäscherinnen mit Waschtrog und strahlend weißer Wäsche auf einer Leine: „Anerkannt bestes und unschädlichstes Waschmittel“.

Der hessische Kaufmann Fritz Henkel, der mit zwei Kollegen ebenfalls in Aachen in einem Hinterhof 1876 die Handelsgesellschaft „Henkel & Cie“ gegründet hatte, wechselte schon 1878 nach Düsseldorf und bezog ein Fabrikgebäude an der Schützenstraße in Flingern. Das Produkt „Bleich-Soda“ war Henkels erster Markenartikel. Nachdem Henkel 1907 das Waschpulver „Persil“ auf den Markt gebracht hatte, zog Sieglin ein Jahr später mit dem Konkurrenzprodukt „Ozonit“ (mit Sauerstoff) nach. Er hatte als Signet den „Weißen Schwan“ gewählt. Henkel kreierte 1922 als Firmenlogo die „Weiße Dame“.

Als Sieglin 1927 verstarb, verkauften seine Erben zwei Jahre später die Firma an den Konkurrenten Fritz Henkel, der zu dieser Zeit auch schon Teilhaber war. 1930 nannte er die Dr. Thomson's Seifenpulverfabrik in „Thompson- Werke GmbH“ um.

Im zweiten Weltkrieg wurde das Firmengelände in Flingern stark beschädigt. Mehr als ein Drittel der Belegschaft wurde zur Wehrmacht eingezogen. Ihre Arbeit mussten über 100 Zwangsarbeiter:innen und Kriegsgefangene tun. 1969 erfolgte die Fusion der chemischen Werke Siegel & Co (Sidol- Reinigungs- und Pflegemittel) mit den Thompson- Werken zur „Thompson-Siegel GmbH“, die wiederum 1971 mit allen Geschäftsanteilen von Henkel übernommen wurde.

Henkel verlagerte die Produktion nach Holthausen und legte 2005 das Werk an der Erkrather Straße still. Auf dem Firmengelände entstand 2011 der Campus „Schwanenhöfe.“ Die Investoren haben die historische Struktur der Fabrik erhalten und restaurierten behutsam die Gebäudeteile. Auch das Logo der Thompson's Produkte, der Schwan, blieb erhalten. Es entstand ein neues Stadtquartier mit einem unverwechselbarem Ambiente. Mieter sind über 40 Firmen, ein Mix aus Gastronomie, Kreativität, Fitness, Privathochschulen und einem Kindergarten.


Henkel - Von der Hinterhoffirma zum Weltkonzern


Die Geschichte des heutigen Weltkonzerns Henkel beginnt in einem Hinterhof in Aachen. Der 1848 geborene Kaufmann Fritz Henkel gründet am 26. September 1876 mit Otto Scheffen und Otto Dicker die Handelsgesellschaft „Henkel & Cie“.

Die beiden Kollegen haben schon 1875 in Herzogenrath die Rheinische Wasserglasfabrik gegründet. Für Henkels „Universalwaschmittel“ bekommt die junge Firma so auf kurzem Wege den dafür benötigten Rohstoff Wasserglas. Abgepackt in kleinen Papiertüten wird das erste „Universal-Waschmittel“ zum Preis von 10 Pfennig verkauft. Die Belegschaft bestand aus 3 Mitarbeitern. Da aber die Firma schnell wächst und eine bessere Anbindung braucht, verlegt Henkel seine Produktion 1878 ins prosperierende Düsseldorf.

Er zieht in eine leerstehende Seifenfabrik in die Schützenstraße 27-33 nach Flingern. „Zur Verteidigung der Umwelt- und Lebensbedingungen“ legten 17 Hauseigentümer:innen der Schützenstraße eine schriftlichen Protest gegen die Einrichtung einer Bleichsoda-Fabrik ein.

Erst am 26. April 1879 erteilt das Ministerium für Handel und Gewerbe die Produktionserlaubnis.

Nachdem aber auch der Platz in der Schützenstraße nicht mehr ausreicht, wechselt Henkel 1880 in einen Neubau an die Gerresheimer Straße. Das ab 1878 hergestellte Produkt „Bleich-Soda“ bringt Henkel eine steigende Produktion und gute Umsätze. 1887 hat Henkel sogar einen eigenen Tee im Angebot. 1896 wird „Henkel’s Bleich-Soda“ in das Warenzeichenregister eingetragen und an der Gerresheimer Straße ein neuer Schmelzofen fertiggestellt. Flüssiges Wasserglas kann wegen der Gasfeuerung kontinuierlich abgezogen werden. Für die Mitarbeiter:innen werden Brausebäder eingerichtet, und es gibt auch eine kleine Apotheke.

Nachdem Henkel 1899 in den damaligen Vororten Holthausen und Reisholz ein fast 5 ha großes Grundstück mit Bahnanschluss und Zugang zum Rheinhafen erworben hat, werden dort eine neue Bleichsoda-Fabrik, eine Wasserglasfabrik, Kesselhaus, Büros und Werkstätten gebaut. Bei Henkel arbeiten damals 78 Mitarbeiter:innen.

1907 wird das Waschmittel „Persil“ auf den Markt gebracht, eine Wortschöpfung aus den Hauptbestandteilen Wasserstoffperoxid und Natriumsilikat. Dieses Produkt wurde ein Erfolgsgarant und lies das Unternehmen zu einem Weltkonzern aufsteigen. „Doch die Entwicklung Persils ist auch mit der deutschen Kolonialgeschichte verbunden.“ Henkel deckte zwischen 1907 und 1914 seinen Bedarf an Palmkernöl, das für die Herstellung von Tensiden benötigt wird, aus der damaligen deutschen „Kolonie Kamerun, wie die Geschichtsstudierenden der Heinrich Heine Uni unter Mitwirkung des Konzernarchivs von Henkel herausarbeiteten.“

(Infos aus „Rheinische Post“ vom 28.01.2025)

1923 beginnt Henkel mit der Klebstoffproduktion. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entwickelt das Unternehmen eine große Palette marktbestimmender Produkte in den Bereichen Wasch-und Reinigungsmittel, Kosmetik/Körperpflege und Klebstofftechnologie. Wir kennen alle die Namen Pritt, Pril, Pattex, Ponal, Metylan, Persil, Weißer Riese, Somat, Schauma, Fewa, Bref, Dixan, Perwoll, Fa und Ata.

Inzwischen hat der Konzern über 250 aktive Gesellschaften in mehr als 75 Ländern der Welt. In Düsseldorf gehört Henkel, das sich heute noch als Familienbetrieb versteht, zu den größten Arbeitgebern und beschäftigt auf dem 1,4 qkm großen Werksgelände etwa 6000 Mitarbeiter:innen aus 76 Nationen.

 

Foto und Text: Kaspar Michels


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